Vor 60 Jahren fand in Meran erstmals das Landes-Kathrein-Tanzfest statt, eine Veranstaltung, die sich seither fest im Südtiroler Kultur-Jahreskreis verankert hat.

Wie es die Tradition vorsieht, beginnt mit dem Advent eine tanzfreie Zeit. Der Kathreintanz bildet daher alljährlich den feierlichen Abschluss des Tanzjahres und gerade im Jubiläumsjahr zeigte sich einmal mehr, welch große Bedeutung dieser Abend für die Südtiroler Volkstanzszene hat.

Ursprünglich reicht die Tradition des Kathreintanzes weit über Südtirol hinaus: Besonders in Süddeutschland, in Bayern, Franken und in Teilen Österreichs war der „Kathreintanz“ seit Jahrhunderten ein wichtiger Termin im bäuerlichen und dörflichen Jahresablauf. Rund um den 25. November, dem Gedenktag der Heiligen Katharina, bot das Tanzfest jungen Menschen eine der letzten Gelegenheiten im Jahr, öffentlich zu tanzen, bevor mit dem Advent die stille Zeit begann. Ganz im Sinne der alten Sprichwörter „Kathrein stellt den Tanz ein“ oder „Kathrein sperrt Geigen und Bass ein“ wurde so die Tanz- und Feierzeit bis Weihnachten beendet.

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Heuer wurde dieses lebendige Brauchtum erneut im festlichen Ambiente des Meraner Kursaals veranstaltet: Am Abend des 15. November füllten über 500 Tänzerinnen und Tänzer aus Südtirol, dem Alpenraum und dem Ausland den Saal mit Leben und Tanzfreude, sodass die Veranstaltung ihrem Ruf als eine der schönsten Kathreintanz-Feiern gerecht wurde.

Für die musikalische Gestaltung sorgten die Strawanza Musi, eine junge Gruppe aus Kärnten, die mit Polkas, Walzern und Tiroler volkstümlicher Musik das Publikum durch den Abend führte und für eine ausgelassene und zugleich stilvolle Stimmung sorgte.

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Die Pausengestaltung

Ein besonderer Höhepunkt war die Aufführung des Adlerwalzers durch die Volkstanzgruppe Wolkenstein-St. Christina. Dieser ganz neue Tanz wurde von Anna Demez und Margit Marmsoler choreografiert. Die Figuren stellen den eleganten Flug eines Adlers dar. Entstanden ist der Tanz in Gedenken des verstorbenen Vereinsmitglieds Matthias Weithaler und wurde von einem eigens dafür komponierten Musikstück begleitet, geschrieben von David Prinoth und Mattia Demetz.

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Auch junge Schülerinnen und Schüler der Landesmusikschulen sorgten für Begeisterung: Von ihren Musiklehrern Christof Amenitsch und Markus Hochkofler vorbereitet, übernahmen sie zwei Tanzrunde und erhielten damit die Gelegenheit, Bühnenluft zu schnuppern und mit ihren Instrumenten Hunderte von Menschen zum Tanzen zu bringen.

Unter der Leitung des Bezirksreferenten Hannes Knoll leisteten mit großem Engagement die Mitglieder der Tanzgruppen aus dem Bezirk Burggrafenamt ihre ehrenamtliche Arbeit beim Fest. Ob bei der anspruchsvollen Organisation einer so großen Veranstaltung, an der Abendkasse, bei der liebevollen Vorbereitung der Dekoration, an der Getränkeausgabe oder bei der geduldigen spätnächtlichen Betreuung der Garderobe. Überall wurde sichtbar, wie viel Leidenschaft für Tanz, Tradition und Gemeinschaft in ihnen steckt und was diesen Ball so besonders macht.

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Foto: Sebastian Niederrutzner

Das Landes-Kathrein-Tanzfest ist weit mehr als ein Ball: Er ist ein kultureller Höhepunkt, der Generationen verbindet, und ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Tradition und Tanzfreude in Südtirol weiterhin fest verankert bleiben. 

Claudia Santana